nous sommes partout

nous sommes partout

Für eine Welt, in die viele Welten passen

…nous sommes partout, même dans le vide
…patience, patience… ça charge

Mein Name ist Abdallah und ich bin 26 Jahre alt. Ich bin seit dem 2. Oktober 2018 in der Schweiz. Seit Juni 2019 lebe ich in Bern. Zuvor war ich in verschiedenen Asylzentren in Vallorbe, Neuenburg, Freiburg und Schaffhausen. Ich war lizenzierter Journalist in Djibouti. In Europa zählt mein Diplom nichts. An der Universität von Grenoble begann ich Journalismus zu studieren. Später musste ich Frankreich verlassen. Mein Studium konnte ich nicht abschliessen. Momentan bin ich auf der Suche nach Arbeit. Ich würde gerne als Journalist arbeiten, spezialisiert auf Politik. Eine Lehre in einem sozialen Beruf würde mir sicher auch gefallen.

Wir haben den Verein Medina im September 2019 als Reaktion auf ungedeckte soziale Grundbedürfnisse in der Stadt Bern gegründet. Anfangs wurde mit einfachsten Mitteln Tee und Suppe gekocht, kurz darauf folgte ein Container, das Herzstück unserer Tätigkeit. Seit Herbst 2019 bietet dieser Container nun Anlaufmöglichkeit und Treffpunkt für alle Menschen auf und rund um die Schützenmatte in Bern. Der Container als Ausgangspunkt wird nicht nur zum Kochen genützt, sondern dient auch als Basis, um viele weitere Projekte auf die Beine zu stellen. So organisieren wir drawing sessions, Fussballturniere, Kerzenziehen, Solikonzerte, Aktionswochen usw. Durch diese Projekte ist es uns gelungen, ein Vertrauensverhältnis zu den Menschen vor Ort aufzubauen.

Ich besuche die Schützenmatte erst seit kurzem. Ich komme gerne hier her. Mensch beobachtet da so einiges. Einerseits ist es ein Treffpunkt vieler Kulturen. Viele Menschen hier hatten das gleiche Schicksal. Sie mussten wegen widrigen Umständen aus ihrer Heimat flüchten. Mensch versteht sich, schliesst Freundschaften, spricht zusammen und kommt über die schwierigen Momente des Lebens hinweg. Zusammen geht es einfacher. Andererseits entstehen hier auch viele Probleme. Dieser Platz ist ein Elend. Uns mangelt es an adäquater Kleidung, Nahrung (!), Hygieneartikel und sanitären Anlagen. Ständig gibt es Streit. Die Leute sind frustriert, viele haben kaum Perspektiven und sind resigniert. Das macht mich traurig.

Weil niederschwellige städtische Angebote fehlen, wollen wir vom Verein Medina als Mediatorin funktionieren, die marginalisierten Menschen den Zugang zur Stadt Bern erleichtert. Dafür betreiben wir freiwillige Sozialarbeit mit dem Ziel der Inklusion sozial benachteiligter Gruppierungen, wie unbegleitete jugendliche Migrant*innen, Obdachlose oder Menschen in anderen schwierigen Lebenssituationen. Wir wollen aufzeigen, dass ein solidarisches Miteinander möglich ist und vertreten die Überzeugung, dass es Raum für Vielfalt geben soll. Unser übergeordnetes Ziel lautet: «Für eine Welt, in die viele Welten passen».

Ey! Das ist das reichste Land der Welt! Viele Menschen hier würden auch lieber arbeiten und Steuern zahlen als Dealen und im Knast zu landen. Es geht nicht einmal darum, reich zu werden. Es geht um ein würdiges Leben. Viele Flüchtlinge in der Schweiz leben ein miserables Leben und sind somit anfälliger, den Drogen zu verfallen. Da gibt es diese Wundermittel und deine Sorgen sind vergessen. So beginnt die Negativspirale. Es braucht Prävention. Der Verein Medina leistet hier grosse Arbeit. Sie unterstützen die Menschen und begegnen ihnen auf Augenhöhe. Ich denke das ist der richtige Ansatz, um die Situation nachhaltig zu verbessern. Ich wünsche mir, dass es mehr solche Angebote geben würde.

Gut zwei Jahre sind nun vergangen seit es unseren noch jungen Verein gibt und wir haben im Jahr 2021 vieles dazugelernt. Alle, die Medina unterstützen, haben weiter viel ehrenamtliche Zeit und Herzblut in das Projekt investiert, dabei neue Freundschaften geschlossen und schöne Momente erleben dürfen. Das Jahr 2021 hat aber auch einige Herausforderungen mitgebracht, teils neue wie unser Umgang mit der geplanten Nutzung des Raumes Schützenmatte durch die Stadt Bern, teils altbekannte wie Obdachlosigkeit. Um diesen Aufgaben besser gewappnet zu sein, haben wir uns neuorganisiert, was teilweise schwierige Entscheidungen und schmerzhafte Prozesse mit sich brachte. Die Neuorganisation gab uns aber auch neue Kraft und Motivation und bringt einige spannende Projekte für das Jahr 2022 hervor, wie solidarische Siebdrucke, Caterings aus aller Welt, mehr Vernetzungsarbeit, niederschwellige Beratungsangebote direkt auf dem Platz, Kunstaustellungen und einen kurzzeitigen Umzug des Containers auf den Kornhausplatz, wo er im Rahmen eines Ausstellungsprojekts Ende Januar 2022 stehen wird. Unser Verein lebt vom endlosen Engagement unserer ehrenamtlichen Mitglieder sowie der zahlreichen Ideen und Unterstützungen aller Helfenden.

Die Tatsache, dass unser Verein mit dem Sozialpreis 2020 der Stadt Bern ausgezeichnet worden ist, zeigt die Notwendigkeit unserer Arbeit. Die Stadt Bern braucht ein solidarisches Miteinander. Wir werden uns weiterhin für eine solidarische Stadt Bern einsetzen: «Für eine Welt, in die viele Welten passen!»

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